Creative VIP: Manuela Polaszczyk

VORSTELLUNG:

Es geht um eine Frau, die ein spannendes Buch über ihre finstere Vergangenheit der ehemaligen DDR geschrieben hat. Nichts wurde erfunden, sondern alles entsprach einer schrecklichen Realität...
Milieustudien der DDR, Schwere Schicksalsschläge, fingierte Anschuldigungen, erhellen die Grausamkeit der DDR-Diktatur. Hier wird die DDR nicht mystifiziert dargestellt. Hier findet man den wahrhaftigen Blick von Zeitzeugen.




INTERVIEW (Fragen von R.M.) :

Jetzt, viele Jahre nach dieser schrecklichen Zeit, wie gehen Sie damit um, was denken Sie darüber?

   Bis heute habe ich das alles nicht verarbeitet. Jahrelang habe ich mir eingebildet, wenn ich es ignoriere, vergesse ich es. Geht nicht. Man kann solche Dinge nicht vergessen.


Wie kam es dazu, darüber ein Buch zu schreiben?

   Als ich hierher kam, konnte ich nicht darüber sprechen. Viele wollten aus Neugier wissen was gewesen war. Ich konnte nicht reden. Der Gedanke daran trieb mir die Tränen in die Augen. Dann hatte jemand gesagt, schreib es auf. Schreib es Dir von der Seele
Das habe ich getan, zwei Jahre nachdem ich hier ankam. Doch erst jetzt habe ich die Kraft, vielleicht auch den Mut gefunden es der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.



Hatten Sie beim Schreiben Probleme, sich noch einmal alle wichtigen Erlebnisse in Erinnerung zu rufen?

   Ich hatte nie Probleme die Erlebnisse in Erinnerung zu rufen. Das sind Dinge die kann man nicht vergessen. Es lebt mit einem.


Wissen Sie Bescheid was mit den Leuten passiert ist, die Sie damals bespitzelt hatten?

   Erst vor zwei Jahren habe ich die Stasiakten beantragt. Ich dachte immer, ich weis wer Spitzel war und wer nicht. Letztes Weihnachten habe ich sie dann erhalten. Ich war einfach nur neugierig.

Doch was darin steht, kann ich bis heute nicht begreifen. Ich bin von Menschen aus meiner eigenen Familie beschattet und verkauft worden. Menschen denen ich vertraut hatte. Menschen von denen ich das nie geglaubt hätte. Mein Vater ist Tod, den kann ich nicht mehr zur Rechenschaft ziehen, aber andere habe ich darauf angesprochen. Ich wollte wissen warum:
Alle die ich gefragt hatte, sind heute noch der Meinung nichts schlechtes getan zu haben. Sie haben ihren eigenen Vorteil gesehen und ausgenutzt.
Und ich musste mir anhören sie würden es jederzeit wieder tun.



Ist Ihre Ohnmacht von damals überwunden, oder gibt es Ihrer Meinung nach noch Defizite in der Aufarbeitung der ehemaligen DDR?

   Es gibt immer Defizite. Überwunden ist gar nichts. Die Menschen, selbst die Behörden, sind teilweise so engstirnig, das sie wirklich glauben, das die DDR nur ein Witz war. Die DDR hatte Hitler und Gestapo Methoden und das ist nicht zu verleugnen. Und leider gibt es bis heute Menschen die alles schlechte aus der DDR in Frage stellen.

Aufarbeitung? Ich finde es erschreckend zu hören das es Stasimitarbeiter in der Birtler Behörde gibt. Die Behörde, die eigentlich aufarbeiten sollte.



Wie haben Sie persönlich die so genannte "Wiedervereinigung" 1989 erlebt?

   Damals, als die Grenze aufging, rief mich jemand an. Ich soll den Fernseher einschalten. Da waren sie. Die Mauer wurde überrannt. Sie haben die Grenze geöffnet und die Menschen sind rüber gefahren.

Damals habe ich gedacht:
Hätte ich gewusst das die Grenze aufgeht, hätte ich gewartet und mir die Folter und Qual erspart.



Gab es trotz der ehemaligen Diktatur von damals für Sie auch schöne Momente?

   Egal wo man lebt. Es immer auch gute Momente. Es war nicht alles schlecht. Ich musste als Kind keine Angst haben abends auf der Straße zu sein. Das soziale Netz war gesichert. Wenn man nicht politisch wurde, also sein Mund gehalten hat und sich dem Umständen anpasste, ging es einem gut.


Wo liegen noch immer die größten Unterschiede zwischen den so genannten Ossis und Wessis?

   In den Köpfen der Menschen. Ich bin , nachdem die grenze offen war, zurück gegangen. Ich hatte mir eingebildet, jetzt ist alles anders. Jetzt ist dieses System nicht mehr. Ich habe mich geirrt. Jahre nach der Grenzöffnung waren die Menschen in der ehemaligen DDR noch engstirniger als vorher.

Vorher gaben sie den Staat die Schuld für alles Mögliche. Jetzt sind sie für sich selbst verantwortlich, jetzt geben sie wieder dem Staat die Schuld. Schuld sind immer die anderen. Nur die wenigsten sehen ein, das man nur selbst etwas ändern kann.



Werden Sie weiter schreiben - wenn ja, können Sie was über Ihr Projekt erzählen?

   Gute Frage...
Ich habe noch ein Buch geschrieben. Es ist keine Autobiographie. Es ist eine Art Roman und handelt von einem Mädchen was in der DDR aufwächst, aber immer in den Westen will. In diesem Buch habe ich, was natürlich viele Menschen machen die schreiben, auch über mich geschrieben. Nur was daran Ich bin und was Fiktion, ist uninteressant. Es wird etwa Ende August auf den Markt kommen, heißt:
DDR- Erwachsen werden ist schwer.



Wären Sie auch an einer Verfilmung interessiert?

   Natürlich, wer ist nicht an einer Verfilmung seines Werkes interessiert? Ich stelle mir das allerdings sehr schwer vor, das so rüber zu bringen, das es authentisch wirkt.


Vielen Dank für das Interview.


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Das Buch gibt es hier:
DDR- Ein schwerer Weg
ISBN 3-933337-45-3, Preis: 19.50 €
Gabriele Schaefer Verlag


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& Manuela Polaszczyk


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