Weihnachts-Spezial 2007
Creative VIP: Gisela Mahler


V O R S T E L L U N G :

Impressionen einer starken und liebenswerten Frau - meine Mutter.
Der Krieg, die Flucht, betteln, sind für sie keine Floskeln, sondern waren harte Realität. Sie musste mit 10 Jahren ihre Heimat Neustadt in Oberschlesien verlassen (Jahrgang 1934).
Zuvor konnte sie eine schöne Kindheit geniessen, geprägt von Gestalten aus dem Riesengebirge wie Rübezahl oder sogar Drachen. Sie ist eine geborene Optimistin und hat keine Hemmungen, ihre Meinung zu sagen.

Eine vorbildliche Mutter...



INTERVIEW (Fragen von R.M.):


Deine Kindheit war nun wirklich kein Zuckerschlecken. Wie hast Du die grossen Belastungen überstanden, was hat Dir dabei geholfen?

   Den anderen Kindern ging es damals auch nicht besser. Wobei es uns vor dem Krieg sehr gut ging- wir hatte eine Haushälterin. Später auf der Flucht mit meinen beiden Geschwistern gab es schon hier und da harte Momente. Wir waren bei Soldaten, die aus Ungarn gekommen sind. Manchmal waren wir auch getrennt (Anmerkung: Die Mutter war schon vorher bei einem Fenstersturz tödlich verunglückt und der Vater bei der Flucht ums Leben gekommen).
Am 8. Mai in Prag am Wentzelsplatz erlebte ich meinen 11. Geburtstag. Dort sahen wir auch zum ersten Mal Amerikaner...
Wir Geschwister hatten uns gegenseitig geholfen.



Du kommst mit den meisten Menschen gut zurecht, Du kennst viele Volkslieder und hast eine frohe Art. Warst Du schon immer so, oder haben Dich auch gewisse Ereignisse geformt?

   Überall wurde gesungen, in der Schule, zu Hause. Ich war eigentlich schon immer gut gelaunt...
Mein Vater konnte allein ein ganzes Lokal unterhalten- obwohl er ein Polizeibeamter war. Wir waren eine gutbürgerliche Familie. Damals gab es noch kein Fernsehen, ein Saba Radio hatten wir, was nur lief wenn der Vater Zuhause war. Nach den Hausaufgaben ging es zum „Jungvolk“ (eine Art Kinderbetreuung), wo ebenfalls viel gesungen wurde. Zara Leander und Lale Andersen waren unsere „Stars“.



Du besitzt die Gabe, gut mit Geld um zu gehen. Lernt man das oder ist es eine Naturveranlagung?

   Man soll nie mehr Geld ausgeben, wie man hat. Als Kinder hatten wir nichts, und konnten so auch nichts ausgeben. Wir hatten zuerst die Reichsmark erlebt, dann die Deutsche Mark und den Euro.


Im Nonnenkloster (Much/Siegburg) hast Du erstklassig kochen gelernt, was konntest Du für Dein weiteres Leben ausserdem noch mitnehmen?

   Pünktlichkeit, Ordnung und man musste sich anpassen. Es war auch ein Kurhaus, wo ich mehrere Abteilungen durchlaufen hatte. Nach dem Krieg gab es so gut wie keine dicken Leute. Deshalb war die Küche kräftig und deftig.


Wie kommt es, dass Du Dich als Frau auch für SF, Fantasy und Horror Werke interessierst?

   Durch Dich, Rolf, bin ich zu diesen Romanen gekommen. Ich hatte schon immer gerne und viel gelesen- Fantasy und Horror waren für mich neu. Und haben mir gefallen, weil es ganz was anderes war.


Welche Aufgaben als Mutter haben Dich am meisten gefreut und genervt?

   Genervt hast Du mich eigentlich nie! Wir haben uns immer gut verstanden! Als Kind hast Du nie gefragt, was könnte ich jetzt mal spielen? Du warst immer beschäftigt.


Hättest Du Dir ein Leben auch ohne Kind vorstellen können?

   Ich war ja selbst sprachlos, als ich erfuhr schwanger zu sein. Da musste ich mich wirklich erst daran gewöhnen. Während der Schwangerschaft hatte ich auch nicht so Probleme- nur während der ersten Zeit gab es öfters Brechreiz.


Was sind für Dich die größten Veränderungen in der Gesellschaft, im Vergleich vor ca. 40 Jahren?

   Meine Feststellung ist, dass sich eigentlich kaum was für die Menschen selbst verbessert hat. Durch die Computer und Maschinen gingen viele Arbeitsplätze verloren.
Es ist fast wie in Amerika, wenn Du Geld hast, kannst Du z.B. die moderne Medizin in Anspruch nehmen, aber hast Du keines, geht es an Dir vorbei- wirklich harte Zeiten...



Wie soll man in der heutigen Zeit normal bleiben?

   Das kannst du gar nicht!! Schon vor Jahren stellte ich fest, dass wir degenerieren! Politiker werden immer machtgieriger und verlogener, und denken an ihr eigenes Portemonnaie. Wenn die ihre Diäten erhöhen, gibt es dann Theater? Nein, dann sind sie alle einverstanden!
Und schaue Dir jetzt mal die Krise mit den Lokführern an, da stimmt was nicht mehr! Und wenn das der Kapitalismus ist, ist er nicht besser wie der Kommunismus!



Bitte nenne mir Deine 5 Lieblingsbücher?

   Rolf, ich habe viele Bücher gelesen. Was ich nie vergessen habe, war Anfang der 50er Jahre "Ein Herz aus Jade". Das handelte von den Azteken, den Majas...
Die "Angelique" Bücher haben mich auch fasziniert, die hätte eher den Briefträger dran gelassen, wie den Sonnenkönig von Frankreich oder "Krieg und Frieden", "Dr. Schiwago", "Die Gebrüder Kamarasow"...
Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich Tag und Nacht gelesen...




Vielen Dank für das Interview.


GALERIE:

Gisela Mahler Mutti und Sohn Pescaro Adria

Lieblingsspruch:

Mit jedem Jahr meines Lebens
erhöht sich zwangsläufig die Zahl derjenigen
die mich am Arsch lecken können!




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